Tag 19

Die Kinder haben sich beinahe nur noch angekeift, sie konnten weder mit- noch ohneeinander auskommen, es war Zeit weiter- zuziehen! Da nun zwei Möglichkeiten des Besuchtwerdens abgesagt hatten, blieb nur noch die dritte. In der Nähe von Kiel wäre die nächste Möglichkeit gewesen. Jedoch war das ein ziemliches Hin und Her, also beschloss ich, direkt nach Eckernförde zu fahren. Mal wieder den Geburtsort von Leon besuchen und das für 49 € für alle.

 

Zuerst dachte ich, dass dies wohl ein recht langweiliger Tag werden und es nichts zu berichten geben würde. Aber weit gefehlt! Der Tag war durchzogen von Helfenden, ein bisschen Glück und wirklich viel Freude. Allerdings auch von Schlaflosigkeit.

 

Gefahren sind wir von Dillenburg über Gießen, Kassel, Göttingen, Hamburg und Kiel nach Eckernförde. In Gießen hatten wir noch genug Umsteigezeit, es wäre mehr als eine Stunde gewesen, da wir den einen Zug ganz knapp verpasst hatten und der nur alle 2 Stunden fährt, aber es gab noch einen, der länger brauchte, dafür aber früher nach Kassel fuhr. Das bekannte Fahrstuhlspiel war angesagt, das richtige Gleis wollte gefunden werden und dann warteten wir noch auf den Zug. Es war alles ziemlich easy und ja, fast langweilig. Leon schlief im Zug fast ein, wachte aber wieder auf, als ich ihn in den Wagen legen wollte.

 

In Kassel mussten wir zum Hauptbahnhof, da ist leider kaum etwas los, anders als bei Kassel-Wilhelmshöhe wo wir wenigstens einen Smoothie bekommen hätten. Immerhin konnten die "Männer" etwas rennen. Hier wurde es im Fahrradabteil ziemlich voll und gedrängt. Hilfe war auch gefragt, denn ein junger Mann mit sehr viel Gepäck wollte sich noch in die sich schließende Tür quetschen und stürzte mit einem Bein in die Tiefe. Ihm war schnell geholfen und das Gepäck schnell in den Zug geholt aber der Schock saß tief. Im Zug gab es Kartenautomaten, die wurden bespielt.

 

Besonders spannend wurde es in Göttingen. Wir mussten von Gleis 5 auf Gleis 6, nur leider war es ein anderer Bahnsteig. Am Fahrstuhl standen viele Leute, die runter wollten und die Umsteigezeit betrug 22 Minute (wir waren auch schon etwas zu spät angekommen). Um Zeit zu sparen, brachte ich den Hänger die Treppen runter, Leon wartete bei Onyx und dem Rad. Dann wurden wir vorgelassen und das Rad konnte runter. Der zweite Fahrstuhl war problematischer, der ging mal nicht, dann wieder doch. Es glich einem Glücksspiel. Eine alte Oma mit kleinem Köfferchen wollte auch hoch. Ich dachte nur, wenn sie da auch noch mit will, schaffen wir das nie! Ich sagte ihr, was das Problem ist und fragte ob ich ihren Koffer die Treppen hoch bringen darf. Ich durfte! Das ging auch super schnell. Dann brachte ich den Hänger wieder die Treppen hoch, denn es hieß, dass der Fahrstuhl nicht gehen würde. Hänger kein Problem, aber das Rad? Eine Hürde nach der anderen! Eine liebe Frau passte derweil auf das Rad auf. Leon wollte/sollte oben beim Hänger bleiben. Ich stürmte runter und überlegte noch, wie ich das am Besten mache, da winkte mir einer von den Reinigungsleuten, die ebenfalls das Fahrstuhlproblem hatten, zu, dass ich hoch gehen solle. Der Fahrstuhl fuhr gerade an und mein Rad war dabei! Danke liebe Leute, ich liebe euch. Also wieder hoch geflitzt, gerade rechtzeitig angekommen, um das Rad entgegennehmen zu können, mich zu bedanken und zum Hänger zu gehen. Der Zug fuhr ein und es wurde voll! 1000de wollten raus und rein (jedenfalls hatte ich den Eindruck. Und es war einer der Züge mit extra großem Fahrradabteil, wo man sonst nirgendwo sein darf mit Rad und Kinderwagen und wo man auch nicht die Treppen raufkommt. Fahrradabteil suchen! Hinten war es nicht, also ganz vorne!!! Eine junge Frau half mir mit dem Wagen und kam hinter mir her. Onyx lief frei und Leon saß auf seinem Sitz. An den Massen vorbei gedrängelt, kamen wir endlich auch zu dem Radabteil. Völlig erschöpft und ziemlich glücklich war ich, als ich drinnen stand! Wir hatten es tatsächlich geschafft!!!

 

Die junge Frau war noch total süß. Sie blieb bei uns und hatte sich vorher Kartoffel-Wedges gekauft, auf die Leon nun ein Auge warf. Sie sagte sie habe keinen Hunger mehr und Leon bekam alle Übriggebliebenen. Wir konnten ja leider nichts mehr besorgen aufgrund des ganzen Hin und Her.

 

Mit diesem Zug, einem Metronom, fuhren wir nun tatsächlich mal etwas länger bis nach Hamburg und mit ein paar längeren Stopps durch. Leon wollte manchmal schlafen, wurde aber immer wieder abgelenkt und so schlief er einfach nicht ein, obwohl er hundemüde war. Dabei quatschte er ohne Ende mit den anderen Fahrgästen. In Uelzen konnte Onyx raus. Leon kam mit und machte Pipi auf die Gleise, was ein bisschen Gelächter bei anderen Wartenden auslöste. In den ersten Wagen gingen wir wieder rein. Dort gab es eine tolle automatische Toilette, die nun der Renner war. Er sagte ständig, dass er Pipi machen müsse, nur um zu dieser tollen Toilette gehen zu können. Einen Snackbereich gab es in dem Zug auch. Hier gab es Fairtrade-Kaffe, der Hammer!

 

Als wir aussteigen wollten, wurde direkt wieder Hilfe angeboten. Leon sprach eine Frau an und fragte „Ist das dein Fahrrad?“ Woraufhin sie mit „Ja, das ist mein Fahrrad!“ antwortete. Leon fragte „Warum?“ und sie antwortete „Weil ich es mir gekaufte habe.“ Leon war noch immer nicht zufrieden und fragte „Und wo hast du das Fahrrad gekauft?“  worauf sie mit „in Hamburg.“ antwortete und die Fragerei ging von vorne los. Etwa 3 Minuten vor Ankunft sagte Leon, dass er Bauchschmerzen hat. Bei ihm heißt das soviel wie „Ich muss Kaka machen“. Er konnte doch nicht mehr so lange zurückhalten! Also nahm ich den Napf von Onyx (Mama hatte mir mit einem Päckchen einen neuen geschickt) und legte eine Tüte, die ich irgendwann mal bekam und nicht wollte, hinein und hielt ihn ab. Ziemlich direkt war das Kaka schon drin. Wieder alles raus, Tüte zugemacht und fertig. Schön, wenn man so flexibel sein kann.

 

Endlich konnten wir aussteigen und in 16 Minuten mussten wir die Gleise wechseln, also wieder hoch und runter... Aber wir hatten eine liebe Helferin, vor uns war der Fahrstuhl frei und die Fahrstühle waren groß genug für uns alle und so waren wir tatsächlich 4 Minuten bevor der Zug nach Kiel losfuhr im Fahrradabteil.

 

Hier gab es auch so ein tolles Klo... und irgendwann schlief er doch tatsächlich an der Brust ein und ich konnte ihn in den Wagen legen. Wahnsinn! Ein bisschen versuchte ich die verbleibenden 20 Minuten zu nutzen und auch etwas Schlaf zu bekommen, da kam der Schaffner und wollte die Tickets sehen. Aber ein bisschen ausruhen konnte ich noch.


In Kiel musste es wieder schnell gehen. Nur 9 Minuten hatte ich Zeit für den Gleiswechsel. Zum Glück war ich vorne. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich schon einmal ordentlich von hinten nach vorne rennen musste um den Zug noch zu bekommen.

 

Aber auch hier klappte alles prima. Immerhin gibt es keine Fahrstühle sondern alles ist, dank Sackbahnhof, barrierenfrei erreichbar. Hier sprachen mich das erste Mal Security-Leute an, dass der Hund an die Leine müsse. Sie sahen allerdings auch, dass ich da viel zu schieben hatte. Ich sagte, dass es anders nicht ginge und ich ihn im Zug an die Leine nehmen würde und es war  dann OK.

 

In Eckernförde half eine Frau, die in 1.Klasse saß, dabei, den Wagen aus dem Zug zu schieben und bis zum Bahnhofsgebäude mitkam. Interessiert fragten sie und ihr Mann, was wir machen und wo es nun hingehen soll. Immerhin war es ja schon viertel nach 23 Uhr.

 

Am Hundestrand kamen wir gut an. Hey, wir waren in der Geburtsstadt meines Sohnes angekommen! Die Sonne erhellte noch ein wenig den Himmel, es war einfach schön.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0