Tag 23

Als endlich die Ferienwohnung sauber war, Leon wieder etwas ruhiger und wir losfahren konnten, war es Mittag. Ich wollte noch mal beim Reformhaus vorbei und wir trafen dort ein Radreise-Pärchen. Am Hundestrand rannte Onyx noch einmal ins Wasser und wir aßen dort erstmal noch etwas.

 

Die Verwirrung ging schon kurz nach Eckernförde los. Viele Wege führen nach Kiel, doch welcher ist der günstigste? Es war ein Hin und Her. Der Radweg führte über Hügel (ich schätze, dass der Weg an der Straße recht flach gewesen wäre). Mit Hügeln hatte ich es diesen Tag eh wieder, und Regen... Einmal wurden wir richtig nass. Da wir so spät gestartet sind, blieb kaum Zeit für längere Stopps und für Leons Bewegung. Die bekam er zwar bei einem Edeka, doch sie reichte nicht. Ich hatte das Gefühl, nicht voran zu kommen, zählte die Kilometer und ich schleppte mich voran. Alles tat mir weh. Dass ich meine Frauengeschichte bekommen hatte, machte das nicht besser! Ich wollte noch an diesem Tag Wittenberger Passau erreichen! Das ist etwa 15 km hinter Kiel und, wie ich herausfand, hinter mehreren Hügeln zu finden.

Nach einer Brücke hielt ich an, denn ich dachte die Bremse vom Hänger würde schleifen. Tat sie aber nicht. Dafür schaute Leon über das Geländer und rief „Da hat jemand sein Fahrrad vergessen.“ Ja klar doch, dachte ich, was soll da ein Fahrrad stehen? Aber ich schaute. Und tatsächlich lag da ein Fahrrad im Gebüsch! Sogar so ein teures mit Elektroantrieb. Es sah ganz nach „geklaut“ und entsorgt aus. Ich rief die Polizei an, versuchte halbwegs verständlich zu erklären, wo ich mich gerade befand und sagte, dass ich Straßenmalkreide dabei hätte und einen Pfeil malen könnte. Wir einigten uns auf einen blauen Pfeil. Dadurch ging natürlich für uns wertvolle Zeit verloren. Aber ich hoffe, dass Rad und Besitzer wieder zueinander finden! Ziemlich irritiert hatte mich die Frage meines Gesprächpartners, ob ich dort bleiben möchte, ich hätte Anspruch auf den Fund. Dass ich es, wenn ich irgendwo etwas wie Geld oder sonst etwas namenloses finde, behalten kann, OK. Aber so Dinge wie Fahrräder? Die kauft man sich teuer, sie werden sogar versichert... Wäre ja schön, wenn ich durch die Lande streife, ein verlassenes Haus finde und sage: Hey, ich ab ein Haus gefunden, das ist jetzt meins. Da ist die Sachlage wieder anders... Komische Welt!

 

 

 

In Kiel und auch danach den richtigen Weg zu finden, war ebenfalls nicht leicht. Auf der Karte sah alles logisch und leicht aus, in Natura eher verwirrend. Ein Typ fragte, ob ich wüsste, wo ich hin will. Als ich dann sagte, wo ich hin will, aber nicht wüsste ob ich nun geradeaus oder nach Plön fahren muss, fragte er, ob ich denn nicht alles im Internet geplant hätte. Ähm, nein! Wozu? „Na wenigstens hast du ja eine Karte“ sagte er und dampfte ab. Was sollte das? Was bringt es mir denn, meine vielen spontanen Richtungswechsel vorher zu recherchieren? Soll ich dann 1000 Blätter verwirrender Wegbeschreibungen mitnehmen? Ruft mich das Internet an, um zu sagen, wo ich lang muss? Soll mir das Handy die ganze Zeit sagen wohin ich muss? Und dann ist das Akku alle... Nein, lieber fahre ich spontan, kann Menschen der Gegend nach dem Weg fragen und spontane Richtungswechsel angehen, ohne direkt komplett verloren zu sein. Und, es ist ziemlich egal, wie gut die Recherche aussah: wenn sich dann etwas verändert hat, die Ausschilderung nicht ganz eindeutig  oder der Weg schlichtweg nicht 100% klar war, brachte Vorabrecherche so rein gar nichts. Das Problem nur war, dass die ganze Suche nach dem Weg Zeit kostete und es immer später wurde. In Raisdorf nahm ich dann mal die Bikemap in Anspruch, die brachte mich auf den richtigen Weg und von da ging es nur noch geradeaus, aber mit ups und downs...

 

 

Leider lud das Wetter nicht zum campen ein und ich wollte unbedingt noch ankommen! Wir haben es auch geschafft. Kurz vor 23 Uhr kamen wir an. Leon schlief, Onyx und ich waren völlig erschöpft und schliefen auch recht bald ein.

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