Leon das Rochenkind

Über einen sehr interessanten Blogartikel kamen wir zu den Rochenkindern und Anja Kerkow. Das Prinzip ist leicht: Schwimmenlernen ohne Schwimmhilfe und vor Allem ohne Anleitung.

 

Leon fand die Schwimmscheiben irgendwie schon immer doof und wollte sie nicht tragen. Also ließ ich sie weg und wann immer wir im Schwimmbad waren, war es für mich zwar nicht entspannt, aber Leon konnte sich recht frei bewegen. Nur waren diese seltenen Erlebnisse natürlich weder wirklich frei, noch hatte er die Möglichkeit zu experimentieren. Es war immer eher ein "Ich hol dich rein und du willst wieder raus"-Spiel in Verbindung mit laufen und krabbeln am Beckenrand entlang. Weitere Erfahrungen mit Wasser machte er im See und in der Nordsee und natürlich der Ostsee. Nach und nach tastete er sich an das Wasser heranan und war mit jedem Schritt mehr in Richtung Wasser weniger wieder heraus zu bekommen. Er geht so weit, wie er sich traut, kennt seine Grenzen und genießt einfach das, was er kann. Wenn er auch sonst nahezu keine Geduld kennt, so hat er sie im Wasser im höchsten Maße.

 

Im Frühjahr 2015 meldete ich Leon für einen Kleinkind-Schwimmkurs an, wofür ich auch die Schwimmscheiben kaufte. Auch dort mochte er sie selten anziehen und verbrachte die meiste Zeit am Beckenrand, um Bälle ins Becken zu werfen, oder saß auf der Treppe. Die vorgegebenen Übungen machte er allesamt nicht mit. Wir nahmen nicht alle 8 Termine wahr und mit etwa 60€ (7,50€ pro Kurseinheit) war der Kurs recht billig aber auch nicht wirklich gut.

 

Bei den Rochenkindern zahlen wir für 16 Kurse 240€ (15€ pro Kurseinheit) im Frühbucherrabatt und sind auf das Ergebnis gespannt.

 

Nach und nach werde ich diesen Artikel erweitern um unsere Schwimmkurs-Erfahrungen einzubringen und euch zu ermuntern einfach mal die Schwimmhilfen weg zu lassen!

 

 

erster Eltern- und Infoabend

Bei dem Elternabend am 07. Oktober vor dem Kursstart haben wir alles noch einmal direkt von Anja erfahren, wichtige Infos erhalten und konnten Fragen stellen.

Um schwimmen zu können, also im Prinzip sich über Wasser halten können ohne unterzugehen, bewusst unter Wasser gehen (tauchen) und zusätzlich Spaß dabei zu haben, bedarf es nicht viel Anleitung oder Hilfe. Es braucht den richtigen Raum, genügend Zeit und Vertrauen. Es braucht Freude am Spiel und am Experimentieren und wachsende Erfahrung mit dem Element Wasser.

Zwei kleine Filme zeigte uns Anja, in denen ganz kleine Menschen zeigten, wie sie ihre ersten Schwimmerfahrungen machen und wie die etwas älteren kleinen Menschen bereits im Wasser frei spielen. Sie entwickeln eigene Arten des Schwimmens und des Spielens im Wasser. Sie sind sich ähnlich aber doch auch ganz unterschiedlich und individuell.

 

der erste Kurstag - 08. Oktober

Heute ging es also los. Leon war schon ziemlich aufgeregt. Er fragte wo der Schwimmkurs wohnt und als wir dort waren, wo der denn ist und ob der sprechen kann. Nachdem das geklärt war, erzählte er zurück zu Hause der Oma direkt, dass der Schwimmkurs nicht sprechen kann... Ich liebe sein Erinnerungsvermögen!

 

Aber ich fange einfach mal von vorne an...

Der Kurs findet im Vivantes-Klinikum in Berlin Spandau statt und so haben wir aus Weißensee eine recht lange Anfahrt. Heute sind wir so früh losgefahren, dass wir gut eine halbe Stunde (inkl. trödeln) zu früh waren. Aber wir mussten ja auch erstmal alles finden und die riesigen landenden Flugzeuge betrachten.

 

Beim Duschen gab es die erste Hürde, denn duschen findet Leon ziemlich doof. Aber zum Glück ist Leon da nicht allein und es gibt bereits kleine Boxen, die mit Wasser gefüllt und wieder ausgegossen werden können. Mit viel Glück landet dann Wasser am kleinen Kursteilnehmer, denn das Duschen ist bereits die erste Kontaktaufnahme zum Wasser, wie Anja uns das gestern beschrieb. Nachdem die Box einige Male gefüllt und wieder geleert war, ging auch das Abduschen recht gut. Nun hieß es warten, bis der Kurs vor uns fertig war und die restlichen Teilnehmer geduscht waren.

 

Dann ging es ins Wasser. Wie ich es schon erwartete blieb Leon erstmal an der Treppe, spielte dort (es gab "Eis") und erkundete das Wasser. Eine Slackline mit drüber gezogegenen Hula-Hoop- Reifen war an den Säulen des kleinen Schwimmbades befestigt. An den Ringen konnten sich die Kinder festhalten und auch da durchklettern und alles damit anstellen, was sie für möglich hielten. Leon wollte einen Reifen an der Treppe haben, aber das ging nun nicht. Hin wollte er aber auch nicht.
Nach etwa 20 Minuten stellte Anja das Spielzeug an den Beckenrand und nun konnten alle mit Lappen, Schwämmen, Bechern und Bällen experimentieren und spielen.
Leon entdeckte erst einen Ball und dann die Becher. Ein Spiel für ihn war es, sie vom Rand aus unterzutauchen und dann zu beobachten wie sie wieder nach oben kamen und sich teilweise im Geländer verfingen. Als ich meine Füße unter das Geländer hakte und somit eine neue Ebene entstanden war, kletterte Leon ins Wasser und setzte sich mit dem Rücken zu mir auf meine Beine. Das ging so lange bis ich nicht mehr konnte. Ich teilte ihm mit, dass ich nicht mehr kann und er kletterte sofort wieder auf den Beckenrand. Das Bescheidgeben war wichtig, denn Vertrauen ist einer der wichtigsten Punkte im Wasser. Verliert Leon das Vertrauen in mich, wird es für ihn schwierig dem Wasser und sich selbst zu vertrauen.

Ich zeigte ihm allerdings auch, wie er sich am Geländer festhalten kann und sich mit den Füßen von der Beckenwand abstoßen kann. Das wollte er auch und kam rein. Beim ersten Mal verlangte er nach Hilfe und ich unterstützte ihn beim Herunterklettern. Er testete alles aus, auch das wieder Heraus- klettern, solange, bis er alles allein konnte. Und dann war die Zeit auch schon um.

 

Leon wollte nicht aus dem Wasser! Er musste Pipi machen, wir gingen raus auf die Toilette und da wir bereits beim Abschiedslied waren, zog ich ihm die Badehose schon aus, denn ich dachte wir bleiben draußen. Leon dachte das anders und rannte wieder zurück ins Becken, diesmal ohne Badehose. Noch zieht die Taktik, dass ich mich dann einfach verabschiede und "gehe" und er kam hinterher. Die Kinder vom nächsten Kurs waren ja schon da und wir hatten unsere Dusch- und Trockenwerdezeit. Gerade so konnte ich ihm das Wollhemd anziehen, doch das war es auch. Immer wieder wollte ich ihn anziehen, bat darum, dass er sich anziehen lässt, sagte, dass es draußen kalt ist, betonte, dass ich nicht alle seine Sachen tragen möchte, doch es half nichts. Er wollte nicht, er wollte beim Schwimmkurs bleiben und sich nicht anziehen.

Also zog ich mich an, packte seine Sachen in den Rucksack und wir gingen los. Eine Mama, die auf ihr nun schwimmendes Kind wartete, fragte, ob ich das jetzt tatsächlich durchziehe, ihn ohne Sachen raus zu lassen. Klar hatte ich das vor. Was sollte ich auch anderes tun? Wenn er mir nicht glaubt, dass es draußen kalt ist, dann muss er das selbst erfahren.

Draußen schaute mich ein Mitarbeiter des Krankenhauses etwas skeptisch und fast empört an und fragte, ob das nicht etwas kalt sei, worauf ich erwiderte, dass ich ihm das gerne zeigen möchte. Es dauerte auch nicht lange und Leon merkte, dass es kalt war! Draußen war die Bank nass, also gingen wir rein und er half ohne weitere Probleme beim Anziehen mit.

 

Es hat ihm sehr viel Spaß gemacht. Nur leider waren die 45 Minuten dann doch etwas zu kurz für die Zeit nach dem "Ankommen". Ich denke aber, dass die Zeiten des Ankommens immer kürzer werden und so das "tatsächliche" Spiel wesentlich länger dauern wird, wobei... auch beim Ankommen wird ja schon gespielt und experimentiert. Wir freuen uns jedenfalls auf nächste Woche.

der zweite Kurstag - 15. Oktober

Wir haben die Kurszeit geändert, da wir tauschen konnten. Nun sind wir im letzten Kurs. Das hat den Vorteil, dass wir morgens nicht hetzen müssen, aber auch den Nachteil, dass Leon am Abend schon müde ist. Dieser Nachteil ist allerdings auch ein Vorteil, denn ein müder Leon wird mutiger!

So startete Leon diesmal zwar an der Treppe, ging dann aber am Rand entlang und wir entdeckten einen Hocker, der am Beckenboden befestigt war. Auf ihm konnte Leon stehen und nur noch sein Kopf schaute heraus. So kletterte er ein paar mal raus und wieder rein auf den Hocker. Dann waren die Ringe wieder verfügbar und Leon wollte hin. Er war wirklich sehr viel mutiger. Er freute sich und lachte laut auf den Ringen sitzend. Als er dann den Rest des Spielzeugs sah, es war das gleiche wie letzte Woche, wollte er dort hin und ich bekam die Haare gewaschen, immer und immer wieder.

Am Rand kletterte er auch immer wieder hinein, hangelte sich am Geländer lang und kletterte wieder heraus. Zudem fand er einen Ball, der Wasser aussaugte und auch wieder herausspritzte, wenn er doll gedrückt wurde. Der war lustig.

Gegen Ende putze er die Becher mit den Schwämmen und Lappen und wollte dann nochmal zu den Ringen.

Nach dem Piratenschlaflied wollte er, wie letztes Mal, nicht raus. Diesmal gab es keinen nächsten Kurs, aber es wurde abgebaut. Leon hangelte sich noch den ganzen Pool entlang. Ich wartete also ab, bis die anderen Kinder mit duschen fertig wurden. Als eine Dusche frei wurde konnten wir raus und Leon kam dann auch mit.

Anziehen war wieder ein Problem. Diesmal wollte er gar nichts anziehen, bzw. nicht unten, sondern oben. Ich konnte ihn aber überreden, da er Hunger hatte und ich sagte, dass ich ihm erst zu Essen gebe, wenn er angezogen ist.

Schauen wir, was nächste Woche los ist.

der dritte Kurstag - 22. Oktober

Langsam bekommen wir Routine, was Anfahrt und so betrifft. Dennoch ist jedes Mal wieder aufregend für uns beide.

Da Leon nun schon weiß, wo was ist, fordert er auch mehr ein. Im Wasser wollte er zu den Ringen und ließ sich sogar von mir auf meinem Rücken tragen. Bisher hat er sich das nie wirklich getraut. Leon wollte auch mal die Flossen ausprobieren. Im Wasser war es erstmal OK, doch als er raus wollte wurde das natürlich etwas schwieriger. Also wieder ausziehen und zurück in die Kiste bringen. Dann wollte er sie wieder haben, holte sie, ich zog sie an, er kam rein, wollte raus, Flossen wieder ausziehen und zurückbringen. Drei oder vier Mal wurden die Flossen an- und ausgezogen.

Als Spielzeug gab es heute leere Plastikkanister und Trichter. Kanister befüllen und entleeren war also angesagt. Dabei haben es diese Kanister in sich: leer sind sie draußen leicht, aber schwer ins Wasser zu bekommen, voll sind sie zwar im Wasser leicht aber draußen schwer. Dennoch befüllte er einen Kanister durch den Trichter mit der Hilfe eines zweiten Kanisters, der im Pool immer wieder befüllt wurde.

Wie immer war die Dreiviertelstunde viel zu schnell um. Trotzdem kam Leon recht zügig mit raus und ließ sich sogar anziehen, allerdings mit ein bisschen Bestechung, da ich ihm nur etwas zu Essen geben wollte, wenn er angezogen ist. Im Nassbereich soll ja noch nichts gegessen werden, erst draußen.

der vierte Kurstag - 29. Oktober

Die heutige Aufgabe, oder Angebot einer Aufgabe, war für uns Eltern, zu schauen, wo wir Hilfestellungen weglassen sollten und wo sie wichtig sind, damit die Kinder sich etwas trauen, was sie sich sonst nicht trauen würden.

Gar nicht so leicht. Wann mach ich zu viel, wann vielleicht zu wenig? Aber richte ich mich da nicht nach demjenigen, dem ich helfen möchte? Wenn ich nach Hilfe gefragt werde helfe ich und wenn nicht, dann lass ich es bleiben, oder? Hilfe anbieten geht auch, aber eben nicht aufdrängen. Ich denke allerdings, dass das einfacher klingt und niederzuschreiben ist als es dann tatsächlich auch so zu machen. Oftmals spielt da einfach meine Erfahrung mit rein und auch wie ich als Kind behandelt wurde.

Meine Hilfestellung ist dann doch auch, Ideen zu geben. "Willst du vielleicht mal springen? Ich fang dich auf" oder "Möchtest du die Flossen haben? Weißt du noch welche es waren?"

Und ja, springen klappte dann sogar. Noch nicht weit und auch so, dass ich ihn noch außerhalb des Wassers fange, wie an Land eben auch. Wenn wir es anders machen sollen, wird er mir das zeigen. Aber ich denke, dass es eine gehörige Portion Vertrauen braucht und noch ist das Untertauchen ein schwieriges Thema.

Dafür bin ich getaucht, ich habe ein mit Steinchen gefülltes Säckchen vom Grund des Beckens hochgeholt und Leon warf es wieder hinein. Anfangs habe ich es noch mit den Füßen hoch geholt. Leon wollte auch, aber er war zu kurz. Irgendwann bin ich getaucht. Leon half mir und zog mich an den Haaren wieder raus, als ich in seine Reichweite kam. Er sprang in meine Arme, knuddelte und tröstete mich, warf das Säckchen wieder rein und sagte "Du musst tauchen". Wieder zog er mich raus, tröstete mich und warf erneut das Säckchen rein, so ging das ein paar Mal und irgendwie war es sehr amüsant!
Spielzeuge waren heute eben jene Säckchen sowie die Trichter und Kanister von letzter Woche und auch das Befüllen und Leeren der Kanister war wieder Thema. Allerdings auch das Befüllen und Leeren der Trichter. Besonders kribbelig war das Leeren des Trichters auf meinem Kopf. Da hat's mich jedes Mal geschüttelt, so einen dünnen Strahl über dem Kopf entleert zu bekommen.

der fünfte Kurstag - 05. November

Manchmal bekommt man eben auch als großer Mensch noch eine neue Sichtweise gezeigt. (wobei, das geschieht eigentlich generell recht häufig)  Da heute mal Leons Oma dabei war konnte ich mich ein bisschen mit Anja unterhalten und sie sprach das Auffangen außerhalb des Wassers an. Ich erzählte meine Sichtweise, aber genau da war es. Was genau bringt mich dazu zu denken, dass Leon springen MUSS? Warum MUSS er es toll finden? Ist es nicht auch völlig OK, wenn er es doof findet, weil er Wasser ins Gesicht bekommt oder sich verschluckt? Warum genau denke ich, dass er die Sicherheit braucht, gefangen zu werden - also außerhalb? Ist es nicht völlig in Ordnung für Leon, eventuell zu erkennen, dass es (momentan) nichts für ihn ist? Wo endet mein Wunsch und wo beginnt Leons?
Ja, da sind sie wieder, die Wünsche und die Einstellungen - wieder zurück zur Werkeinstellung: Nichts muss, alles kann, unterstützen ja, aber nicht FÜR Leon denken!
Während ich mit Anja quatschte, schwammen Leon und seine Oma zu den neuen Reifen. Diese sind nun mit Luft gefüllt in 3 Größen und aneinandergebunden einmal durchs Becken gezogen. Beim ersten Kontakt waren sie ihm zu wackelig, aber da war es der kleine Ring mitten im Becken. Dieser nun war am Rand und vielleicht sicherer?
Als Spielzeug gab es heute: Nudelsieb, Silikon-Muffinförmchen und Golfbälle. Nudelsieb und Golfball ist lustig, der rollt darin herum. Muffinförmchen schwimmen toll im Wasser, Golfbälle gehen unter und müssen wieder eingefangen werden.

der sechste Kurstag - 12. November

Leon äußerte heute den Wunsch, mit Oma zum Schwimmkurs zu fahren. Sie hat die Bitte  gern erfüllt. Deshalb übernimmt sie heute auch die Dokumentation.

Wir hatte sehr guten Anschluss, waren ½ Stunde zu früh da und konnten uns viel Zeit in der Umkleide lassen. Ich nutze die Gelegenheit, Leon etwas die Angst vor dem herabrinnenden Wasser  des Duschkopfes zu nehmen. Der Blick nach oben zu den „Flugzeugen“ erlaubte es mir, seine Haare zu duschen, ohne, dass Wasser sein Gesicht berührte. Der Versuch glückte und plötzlich durften die Haare mehrfach abgeduscht werden. Wir mussten gefühlt anschließend noch ewig warten, bis unser Kurs begann. Leon konnte es kaum erwarten. Er stürmte sofort zur Treppe. Die war noch mit einer Folie versperrt, also kroch er durch das Geländer und lief die Stufen herunter, bis nur noch sein Kopf herausschaute. Ich überholte ihn und war gespannt, was nun käme. Sofort griff er meinem rechten Unterarm und hielt sich daran fest. Leon wollte zum anderen Beckenrand und von dort springen. Ich sollte immer gaaaanz weit weg gehen. Meine Arme unter Wasser haltend fing ich ihn stets so auf, dass es zwar mächtig spritzte, Leon aber nicht untertauchte. Er hatte einen Heidenspaß. Dann sah Leon die Flossen. Er wusste, dass er die Flossen aus der Kiste mit der Sonne benötigte und holte sich zwei. Ich zog sie ihm an und dann sprang er damit ins Becken. Wir wiederholten diese Spiel nur zweimal, weil Leon damit nicht so gut außerhalb des Wassers klar kam. Springen ohne Flossen machte mehr Spaß. Nun wurden die schwarzen Reifen installiert und Leon wollte dort hin. Er wirbelte herum und ich hielt ihm meine rechte Hand als „Haltestange“ hin. Dann folgte auch die linke Hand, bzw. hielt Leon sich nur an den Zeigefingern fest. Wir schauten nun beide in Richtung Reifen, zu denen er unbedingt wollte. Mit den Beinen strampelte er so, dass sie nach oben kamen. Das fand Leon toll und ich animierte ihn dazu, weiter zu strampeln, damit es spritzte. So kamen wir bei den Ringen an. In den kleinsten Ring stieg er ein und schaukelte darin, sich gut festhaltend, herum und spielte Lokführer. Als die Kugeln, Förmchen und Siebe ins Spiel kamen, wollte Leon dort hin. Damit spielte er nur kurz, da das verschluckte Wasser heraus wollte und Leon zur Toilette musste. Zurück im Wasser war wieder Springen vom Rand sein Favorit. Sein letzter Sprung war nicht weit genug und er tauchte etwas unter. Deshalb waren ihm die Ringe wieder lieber. Leon zeigte danach Anja noch ganz aufgeregt, dass seine Füße und Beine nach oben kommen, wenn er sich an meine Finger hängt und nach hinten lehnt. Leider war die Zeit dann auch schon wieder um und das Spielzeug nebst Ringen wurde aus dem Becken entfernt. Leon wollte zunächst gar nicht weg, lieber noch länger schwimmen. Das Abspülen in der Dusche mochte er nun überhaupt nicht, vorallem die Haare sollten so bleiben. Geschrei und Gezeter gab es schon, weil ich mich duschte und er davon Spritzer abbekam. Mit Geduld und gutem Zureden und unter Einsatz der kleinen Box durfte der kleine Schwimmer doch noch abgespült werden. Auch das Anziehen verlief problemlos. Draußen vor der Umkleide wollte Leon, wie ein anderes Kind zuvor auch, seine Haare selber fönen. Das sah sehr lustig aus, denn der Luftstrom traf alles, nur nicht seine Haare. Wieder ging ein Schwimmkurstag erlebnisreich zu Ende.

der siebente Kurstag - 19. November

Ganz spontan und auch für die Mama unerwartet, wollte Leon heute wieder mit mir, der Oma, zum Schwimmkurs fahren. Wir fuhren zeitig los, um vorher noch einkaufen zu können. Wir kamen pünktlich an und konnten uns in aller Ruhe umziehen. In der Dusche wollte Leon sich selbst die Haare begießen und nahm sich dazu den blauen Behälter, den ich ständig auffüllen musste. Das Wasser lief Leon auch ein wenig über das Gesicht, aber es störte ihn nicht. In den Handtüchern eingewickelt warteten wir auf unseren Kursbeginn. Leon lief vorneweg die Treppe herunter, bis ihm das Wasser schon fast in den Mund schwappte. Zwischenzeitlich hatte ich ihn überholt und stand vor ihm. Freudig griff er nach meinen ausgestreckten Armen. Ich bat ihn, lieber meine Zeigefinger zu greifen, was er dann auch tat. Nun „schwebte“ Leon an meinen Fingern durch das Wasser, streckte seine Beine nach hinten und dann nach vorn, ständig im Wechsel. Er begeisterte sich lautstark darüber, dass seine Füße aus dem Wasser schauten, wenn er die Beine nach vorn streckte. So spielten wir eine Weile herum. Als die Reifen ins Wasser gelassen wurden, strebte Leon dort sofort hin, hob den kleinen Reifen über seinen Kopf. Erst als er innerhalb des Ringes den Reifen mit einem Arm fest umklammert hatte, ließ er meinen Zeigefinger los. Der Reifen war nur kurze Zeit spannend, die Flossen hatten es ihm angetan. Ein paar Sprünge mit Flossen vom Beckenrand machten ihm Spaß, aber dann kamen Schläuche ins Spiel und die Flossen wurden hinderlich. Mit den Schläuchen in unterschiedlichen Längen und  Durchmessern spielte Leon ausdauernd. Luftblasen und Wasserfontänen hatte ihren Reiz. Zunächst hielt ich ihn noch fest, aber nach und nach war die Haltestange am Beckenrand seine Sicherung. Leider war die Zeit schon wieder um und das Spielzeug sollte in die Kisten zurück. Nun wollte Leon aber noch seine Sprünge vom Beckenrand machen, was auch noch ca. fünf Minuten geschah. Dann ertönte schon das Abschiedslied und Leon zog mich zur Treppe. Hier kletterte er über den Beckenrand raus, lief über die Treppe wieder zu mir zurück ins Wasser. Das ging einige Zeit sehr gut. Plötzlich rutschte Leon jedoch in der Pfütze aus und landete auf dem Rücken und schlug auch mit dem Hinterkopf auf dem Boden auf. Als ich bei ihm war, schrie er vor Schreck und Schmerz in voller Lautstärke und zitterte am ganzen Körper. Ich hüllte ihn in ein Handtuch und trug ihn, fest an mich gedrückt und beruhigend auf ihn einredend in die Umkleidekabine. Dort gab ich ihm zunächst ein Arnica-Kügelchen und hielt ihn liebevoll im Arm. Leon beruhigte sich rasch und ließ sich später mit ein wenig Protest komplett abduschen. Draußen auf dem Flur rannte er dann schon wieder herum. Den Fön wollte Leon diesmal nicht benutzen, aber es war nicht so kalt und zwei Mützen hielten ihn warm.

 

der achte Kurstag - 26. November

Wieder sollte Oma mit zum Schwimmen kommen. Aber Leon hatte so begeistert von den Schläuchen gesprochen, dass ich die auch mal sehen wollte! Und ja, ich durfte.

Heute waren kurz die Reifen, kurz die Flossen und einige Zeit das Springen interessant, dann kamen die Schläuche und die Stapelbecher und die großen Bottiche. Wir holten uns von allem etwas in eine ruhige Ecke und pusteten durch die Schläuche. Da Leon dafür lieber draußen am Beckenrand saß und mir etwas langweilig wurde, holte ich den Bottich ins Wasser und versuchte ihn zu versenken allerdings kam er immer wieder hoch und ich stellte mich einfach drauf. Da wollte Leon ihn haben. Der Bottich kam wieder hoch und Leon wollte hinein. Allerdings ging er dann unter. Also hielt ich Leon mit dem Bottich oben. Als Anja kam fragte ich sie, warum das Becken eigentlich so groß ist, wenn doch so ein Bottich reicht... Und dann gab es noch etwas Zank und Streit mit Lenny. Leon wollte unbedingt seine Schläuche haben und sie dann nicht wieder hergeben. Zum Glück ging Lenny nicht sonderlich darauf ein. Und dann war der Kurs schon auch wieder zu Ende.

zweiter Elternabend - Was hat denn das mit Schwimmenlernen zu tun?

Kinder bekommen keine Anleitung und spielen nur, um dann schwimmen zu lernen?

Ja! Schwimmen scheint uns genau so einprogrammiert zu sein wie Krabbeln und Laufen. Es folgt den gleichen Grundprinzipien nur eben in einem anderen Element. Die Schwerkraft ist eine andere. Es ist schwieriger nach unten zu tauchen als oben zu bleiben.

Ein natürliches schwimmen ist Kraul oder Rückenkraul, denn es ist dem Gehen ähnlicher. Aus wildem Paddeln wird ruhiges paddeln, ein ruhiger Beinschlag und ein koordiniertes Vorwärtskommen, ganz alleine, ohne Anleitung. Ohne, dass jemand gesagt hätte, wie es funktioniert.
In den meisten Schwimmlernkursen wird erst das Brustschwimmen gelehrt. Aber diese Schwimmart ist viel komplizierter als Kraul, denn es ist komplett anders als unsere wohlkoordinierten Bewegungen, in der wir uns wechselseitig rechts und links bewegen. Beim Brustschwimmen bewegen wir Beine und Arme synchron und genau das ist sehr unnatürlich und muss schwer erlernt werden. Es ist wesentlich sinnvoller, die natürliche Bewegung zu fördern. Dadurch werden sich die Kinder im Wasser viel freier bewegen und viel sicherer sein. Und im Prinzip geht es doch darum, oder?
Die Kinder sollen SICHER im Wasser sein!

der neunte Kurstag - 03. Dezember

Heute hat nicht nur Leon schwimmen gelernt. Dank des gestrigen Elternabends habe auch ich ein wenig experimentiert und geübt. Ich ging mit dem Gesicht unter Wasser, ohne die Nase zu zuhalten und ohne Wasser in die Nase zu bekommen. Ebenso übte ich die Augen zu öffnen. Also nutzte ich jede Möglichkeit in der Leon am Rand beschäftigt war und tauchte. Einmal tauchte ich auch unter einem Bogen durch. Es machte wirklich viel Spaß.

Leon fand die neuen Schnüre, die nun zwischen den Säulen gespannt waren, anfangs ziemlich lustig und hangelte sich an ihnen entlang. Dann entdeckten wir das Podest im Becken. Er konnte gut darauf stehen und sich dann in meine Richtung abstoßen. Dabei glitt er durchs Wasser und freute sich riesig. Immerhin schwamm er fast. Ich vergrößerte den Abstand immer etwas mehr und es machte ihm sehr viel Spaß, ebenso wie das übliche Springen vom Rand. Zum Spielen gab es heute schwimmende und untergehende Stäbe, Maßbecher mit Stielen in bunten Farben und Eiswürfelformen. Auch die "Tunnel" lagen, wie schon so oft und von uns bisher nicht wahrgenommen, aus und diesmal fand Leon sie recht spannend, auch wenn er nicht so recht wusste, was er damit tun sollte, außer versuchen sich drauf zu stellen, was nicht leicht aber lustig war. Hergeben wollte er ihn auch nicht mehr, oder fast nicht.

Der zehnte Kurstag - 10. Dezember

Das Podest im Wasser ist wirklich Super! Den Abstand zum Rand können wir immer größer werden lassen und Leon springt und gleitet und hat sichtlich Spaß daran. Anderes Spielzeug ist beinahe uninteressant.

Dadurch, dass Leon selbstständig vom Rand auf das Podest hangeln und dann zum Rand springen konnte, hatte ich direkt mal die Möglichkeit, weiter meine Tauchfähigkeiten zu üben. Ich nahm die Bögen, die als Tunnel dienten, und tauchte hindurch, ich tauchte viel.

Ein bisschen "lustig" wurde es, als Leon auf dem Podest stand und mit den Armen ins Wasser schlug. Ich machte das auch, nur doller. Da sprang Leon vor Schreck vom Podest und ging unter. Als er nicht wieder hoch kam holte ich ihn nach wenigen Sekunden wieder hoch. Weitere Vorkommnisse gab es heute nicht.

Allerdings hatte dieser Tag eine Besonderheit, denn die Kinder konnte, wenn sie wollten, ein Kleidungsstück anziehen um zu sehen, wie es sich im Wasser mit Kleidung anfühlt. Leon fand das so toll, er wollte es nicht wieder ausziehen.

Der elfte Kurstag - 17. Dezember

Wieder einmal war ich, die Oma, mit zum Schwimmkurs. Vorher besuchten wir noch den kleinen Weihnachtsmarkt am Rathaus von Spandau. Zuerst fuhren wir mit dem Riesenrad, weil Leon sich das bereits vorigen Samstag gewünscht hatte, dafür aber keine Zeit blieb. Leon fand die Fahrt schön, hatte aber auch kein weiteres Interesse daran. Er wollte in "den gefährlichen Dschungel". Da zu lesen war, es sei keine Geisterbahn und auch viele Eltern mit kleineren Kindern diesen "Dschungel" durchliefen, hielt ich es für unbedenklich und kaufte die Tickets. Wir liefen bereits die Rampe hinauf, als plötzlich ein kleiner Junge zu schreien anfing und nicht hinein wollte. Davon ließ Leon sich sofort anstecken und wollte nun auch nicht mehr. Von hinten schoben die Leute und ich schnappte mir das Kind und ging weiter. Am Eingang mussten wir warten und er beruhigte sich wieder. Nun ging es los, besser, ich lief los, den Rücksack auf dem Rücken und Leon klammerte sich wie ein Äffchen an meinem Hals fest, seine Beine um meine Hüfte geschlungen. Mehr schlecht als recht absolvierte ich den Parcours über wackelige Brücken, nasse Metallrollen, glitschige Steine und sichtbehindernde Lianen, vorbei an "gefährlichen" Plüschtigern, Gummischlangen und Plastikkrokodilen. Die letzten fünf Meter zum Ausgang wollte Leon dann laufen und sagte "Das war ja gar nicht so ein gefährlicher Dschungel." Ich war jedenfalls froh, dieses Abenteuer trocken und mit heilen Knochen überstanden zu haben und eilte mit Leon zum Bus.

In der Schwimmhalle hatte Leon zunächst nur ein Ziel: die Hocker im Wasser. Er hielt sich, als ich im Wasser war, sofort an meinen Schultern fest und wollte, dass ich zu den Hockern schwimme. Angekommen an der Ecke, stand dort nur einer, den sich einige Kinder teilen mussten. Das klappte ganz gut, da Leon immer in Richtung Beckenrand sprang und die anderen Jungs zu einem Elternteil in den mittleren Beckenbereich sprangen. Dennoch bewegte der Hocker sich zentimeterweise vom Beckenrand weg. Erreichte Leon die Randstange nur noch knapp und tauchte deshalb etwas unter, schimpfte er und meinte, der Hocker sei zu weit entfernt. Dann schob ich ihn ein Stück zurück und das Gespringe ging weiter. Leon hielt sich auf dem Rückweg an der Randstange fest und drehte sich stets um seine Achse, ein Arm immer an der Stange, bis er den Hocker wieder erreicht hatte. Das angebotene Spielzeug interessierte ihn dann kurzzeitig auch noch, aber er kam schnell wieder ins Wasser und wollte noch mal auf meinem Rücken mitschwimmen. Da die 45 Minuten fast um waren, gab es keine Hocker mehr und Leon wollte noch an der Treppe spielen. Dort angekommen, löste er sich von meinem Arm und hielt sich am Geländer fest. Wir waren am Ende der Treppe, da wo Leon nicht mehr stehen kann, wenn sein Kopf aus dem Wasser schaut. Plötzlich lief er los und ging von der einen Geländerseite zur anderen. Dabei tauchte er komplett unter und kam völlig verwundert und sichtlich erschrocken wieder an die Oberfläche. Ich sagte ihm, dass er ja von ganz allein getaucht wäre und ob er das noch einmal machen wolle, aber das verneinte er und wir verließen dann kurz darauf das Schwimmbecken. Der Kurs war zu Ende. Anja wies noch einmal darauf hin, dass die nächsten beiden Samstage kein Schwimmkurs sei und wir verabschiedeten uns mit guten Wünschen.

Der zwölfte Kurstag - 07. Januar

Es war zu merken, dass der letzte Kurstag 3 Wochen her war. Leon klammerte wieder stark an mir und traute sich wenig, was er schon vorher mit Begeisterung gemacht hatte. Das heißt, dass wir wirklich weiter machen müssen, wenn der Kurs zu Ende ist!

Heute gab es Matten im Wasser, das geliebte Podest war weg. Allerdings wackeln die Matten im Wasser, gerade, wenn noch andere Kinder drauf sind, und das fand Leon so gar nicht toll. Ich versuchte Leon mit den Hockern an das Podest zu erinnern, aber das ging nur kurz gut, dann hatte er wieder Angst.

Immerhin wurden wieder die Flossen geholt und ein wenig an meinen Arm geklammert im Kreis geschwommen.

Zum Spielen gab es Frisbees und Eimer, die immer wieder auftauchten und an denen ich den meisten Spaß hatte indem ich sie mit den Füßen bis auf den Boden drückte und sie dann langsam hoch schwammen. Oder sie kamen schnell wieder hoch, wenn ich sie auf die Frischwasserzufuhr setzte. Mit den Eimern gab es besonders viel Spaß, wenn ich sie mit der Öffnung nach unten und mit Luft befüllt runter drückte und dann mit einem Schwall die Luft frei ließ. Leon fand das zwar lustig, hing aber lieber am Rand. Zusätzlich gab es noch Spülbürsten mit denen die Frisbees geputzt wurden, damit dann Mandarinensuppe serviert werden konnte, und Blecheimer, die Leon aber nicht entdeckte. Als dann Schluss war wollte er trotzdem noch bleiben.

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